Wie alles begann- Vorgeschichte
Der Himmel bestand nur aus fliegenden Bomben. Der Boden bestand nur aus
Leichen. So schien es.
Dennoch sah man hier und da Überlebende, die sich sammelten und nach
Verletzten suchten. Beide Seiten- Angreifer und Verteidiger- hatten schwere
Verluste erlitten.
Eine Mutter schrie den Namen ihres Kindes. Sie hatte einen bräunlichen
Teint und tiefblaue Augen- ein Merkmal der Lekroxer.
Die Lekroxer: Ein Volk, das vor tausenden von Jahren nach Lekrox gezogen
waren. Fern von der Erde und der Zivilisation. Dort lebten sie lange Zeit
friedlich. Bis vor 10 Tagen die Menschen von dieser isolierten Welt erfuhren
und diese für sich beanspruchten. Die
Ältesten- Ein aus zehn Männern bestehender Rat- die das Land regierten,
weigerten sich jedoch und es kam zum Krieg. Vor ein paar Stunden schliefen die
Lekroxer noch friedlich, allerdings flogen schon am Himmel Flugzeuge, still und
unheilvoll.
Als die Lekroxer endlich diese bemerkten, war es schon zu spät: Die
Menschen griffen an. Und in wenigen Minuten roch es nach Rauch, die Häuser
brannten und man hörte die Menschen schreien.
Ein paar Meter weiter sah Kelvin Loux sein Haus in Feuer aufgehen.
Entsetzten packte ihn. Innen drin war doch noch sein zweijähriger Sohn!
„Cery!“,
schrie er und sprang mit einem in Wasser getränktes Tuch auf dem Mund in die
Flammen. Irgendwo da drin hörte er seinen Sohn schreien. „Cery!“, schrie er
noch mal.
„Papa?“
„Hier
her, Cery!“ Verzweifelt schaute er sich um. Seine Augen tränten, und er war
kurz vor dem Ersticken.
Dann
endlich sah er einen Umriss eines kleinen Jungen. „Cery!“, krächzte er und
fasste dem kleinen Jungen an dem brennenden T- Shirt.
„Papa?“
Cery sah ihn mit großen Augen an.
„Raus
mit dir!“ Und mit diesen Worten nahm er den Kleinen auf den Arm und rannte los.
Ein Balken stürzte um und traf ihn fast. Er konnte gerade noch ausweichen.
Keuchend rappelte er sich wieder auf und stolperte die brennende Kleidung vom
Körper reißend aus den Flammen. Es dauerte eine Weile, bis er wieder scharf
sehen konnte, und das erste Bild das er sah, war seine tote Frau. Sie lag das
Gesicht ihm zugewandt auf den Boden, Blut tropfte aus einer Kopfwunde.
„Melina!“,
schrie Kelvin und fiel vor seiner Frau auf die Knie.
Zu
spät sah er die Knarre, die auf ihn zielte. Es knallte und er wurde von einer
Kugel direkt ins Herz getroffen. Sein Körper ruckte bei dem Aufprall, entsetzt
sah er das Blut auf seinen Händen. Das letzte das er sah, bevor ihm endgültig
schwarz vor Augen wurde, war das unschuldige Gesicht seines vor Dreck starrenden
Sohnes.
Richard
war sich sofort seiner Situation bewusst. Fakt 1: Sie wurden von den Menschen
angegriffen.
Fakt
2: Überall waren Leichen, brennende Häuser und einfach nur hysterisch
umherlaufende Menschen
Resultat:
Jemand musste hier die Führung übernehmen.
Kurzerhand
packte er den nächsten Menschen an der Schulter.
„Nimm
die ein paar starke Männer und versuche alle Schwerverletzten zu finden. Bring
diese dann zur Burg!“
Der
Mann nickte ohne zu zögern und rief ein paar Männern ein paar Wörter zu. Dann
setzten sie sich in Bewegung.
Gut,
das wäre schon mal geklärt. Suchend sah er sich um. Er brauchte etwas, das ihm
die Aufmerksamkeit der anderen schenkte. Auf der nächsten Straßenseite fand er
dann schließlich eine Art Mikrofon. Richard nahm es an sich, drückte auf den
Knopf und räusperte sich. Nichts passierte.
Scheiße!,
fluchte er.
Er
nahm eine auf dem Boden liegende Knarre und schoss himmelaufwärts. Den Knall
verstärkte er durch das Mikro.
Etwa
ein Dutzend Menschen blieben stehen und sahen ihn erschrocken an. Besser als
gar nichts, dachte er grimmig.
„Hey,
Leute! Nehmt alles was ihr tragen könnt und rennt zur Burg! Helft euch
gegenseitig, wenn nötig! Die paar Männer die mit diesen Schusswaffen umgehen
können, kommen zu mir. Wir halten die anderen so lange es geht auf!“, befahl
er.
Sie nickten. Dann teilten sie sich auf, die
Frauen und Kinder liefen weiter, während die Väter zu ihm gelaufen kamen.
„Nehmt
die Waffen, die liegen gelassen wurden.“, sagte er und erspähte eine Pistole
auf der Straße. Mit einem Schritt war er dort und nahm die Waffe an sich.
Die
anderen taten es ihm nach und nahmen ihrerseits Waffen. Dann sahen sie ihm erwartungsvoll an. „Wir teilen uns in
Gruppen von fünf Mann auf. Jede läuft in
eine Himmelsrichtung und gibt den Flüchtlingen Rückendeckung. Versucht den
anderen dazu zu bringen, in Richtung Burg zu laufen! Abtreten!“ Sie liefen los.
Er
selber hielt jeden Menschen an und gab ihnen das Ziel durch. Während er durch
die Gassen lief, sah er plötzlich einen kleinen Jungen vor zwei toten Körpern
stehen. Seine Eltern. Dennoch konnte er nicht einfach so stehenbleiben, das
wäre Selbstmord.
Richard
lief zu dem Kleinen und nahm ihn auf den Arm. Der Junge schwieg die ganze Zeit
über. Ob er wusste, dass er seine Eltern nie wieder sehen würde?
Eine
Mutter mit einem Baby im Arm rannte vorbei.
„Hey,
du da!“ Richard hielt sie auf und gab ihr den Jungen. Sie sah ihn fragend an.
„Er
hat seine Eltern verloren, kümmer dich bitte um ihm.“, raunte er ihr ins Ohr.
Die Mutter nickte und lief mit dem Jungen weiter.
Die
Ältesten hatten schon lange von dem Überfall gehört. Sicher im Schloss- sie
hatten extra eine Schutzschicht gegen die Bomben errichtet- saßen sie um einer
großen Tafel und berieten, was sie denn machen sollten. Wenn es denn wirklich
Krieg gäbe, würden sie verlieren, da waren sie sich sicher. Also was tun?
„Wir
könnten uns ihnen ergeben.“, schlug Medrius vor. Mit seinem langen Bart zeigte
er, wer das Sagen hatte.
„Und
das würde das Volk akzeptieren? Nachdem sie mitten in der Nacht mit Bomben
aufgeweckt wurden und viele Verluste erlitten? Wohl kaum!“, warf Holmer ein.
„Und
was sollen wir sonst machen?“ Medrius Stimme wurde lauter.
„Meine
Güte, Vorsitzender! Beruhigen sie sich!“, warf der jüngste von ihnen ein.
Medrius atmete tief ein und sagte mit ruhigerer Stimme: „Wir könnten auch
jemanden opfern. Sozusagen als Friedensangebot. Dann würden die Menschen uns in
Ruhe lassen.“
Die
Ältesten schwiegen. Dann stimmte jeder nacheinander zu.
„Gut,
also opfern wir jemanden“, fasste der Älteste zusammen.
„Und
wen?“
„Wir
könnten doch per Zufall entscheiden!“, meinte Luis.
Die
anderen nickten. Dann standen sie auf, bereit die Tore zur Burg aufzumachen und
das Volk rein zulassen
Es
dauerte eine Weile, bis wirklich alle in der Burg waren. Medrius stand auf
einem Podest und wartete, bis Ruhe einkehrte. Als dem endlich so war räusperte
er sich und fing an:
„Meine
lieben Freunde, wir Ältesten haben eine Entscheidung getroffen. Wenn ein Krieg
ausbrechen würde, hätten wir keine Chance zu überleben…“ Protestrufe wurden
laut. Von wegen „es ist doch bereits Krieg!“
Medrius
wartete, ehe er wieder anfing zu sprechen: „Das ist noch lange kein Krieg! Es
war ein Überfall. Ich weiß es gab viele Opfer, dennoch würde es noch viel mehr
geben, wenn die Menschen wirklich ernst machen. Sie haben viel mehr
Kampferfahrung, zudem auch mehr Waffen.“
Die
Menschentraube senkte die Köpfe, sie sahen es also ein. Gut.
„Deswegen
werden wir ihnen ein Friedensangebot in Form eines Opfers machen. Wer dieses
Opfer sein wird, werden wir per Zufall entscheiden. Wenn die Menschen damit
einverstanden sind, werden sie Lekrox umgehend verlassen und uns für die
nächsten Jahre in Ruhe lassen. In diesen Jahren können wir uns dann auf dem
möglichen Kampf vorbereiten, und diesen dann auch gewinnen.“
Es
war eine gute Ansprache und sie wirkte auch entsprechend. Als niemand
wiedersprach, nickte Medrius und ging zu einem eigenartigen Gebilde, eine Art
riesige Kugel mit angebundener Kanone. Es wurde totenstill. Medrius drückte auf
einen Knopf , der seitlich an der Apparatur eingebaut war. Sie lud sich auf und
schoss einen hellblauen Strahl ab. Dieser schoss sofort auf ein kleines Baby
zu. Die Mutter sah aus, als würde sie gleich anfangen zu weinen. Medrius
erblickte an ihrer Seite einen schweigsamen Jungen. Wenigstens hat sie ja noch
ihn.
„Damit
ist es also entschieden. Das Opfer wird …“, er sah die Mutter fragend an. Sie
nannte den Namen.
Und
Medrius wiederholte ihn feierlich.
Und
damit war es entschieden. Das kleine Baby wurde in die Hände der Menschen
gegeben, die dieses mit zur Erde nahmen. Doch während sie die Grenze zwischen
Lekrox und Erde passierten, verloren sie ledigliche Erinnerung an Lekrox und
führten ihr normales Leben fort, ohne je an Lekrox gedacht zu haben. Sonea
wurde in eine Pflegefamilie gegeben, man hielt die für ein Waisenkind. Doch die
Ältesten vergaßen dieses Opfer nie, und warteten nur darauf es sich zurück zu
holen ….
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